Hilfe, mein Hund zieht an der Leine!

Ein hund zieht an der Leine

Hilfe, mein Hund zieht an der Leine! Was soll ich tun?

Ein zarter Chihuahua ist gerade noch zu bändigen – doch spätestens ab 10 Kilo Hundegewicht und mehr wird das Ziehen an der Leine zum Problem: Wenn Bello mit dem Herrchen Gassi geht statt umgekehrt, sind Unfälle vorprogrammiert.

Nicht nur dich als Hundehalter nervt es, wenn dein Vierbeiner aus dem Spaziergang ein Tauziehen macht, auch dein Hund kann sich dabei auf die Dauer verletzen. Im Folgenden erklären wir dir deshalb, wie du mit deinem Liebling die Leinenführigkeit trainierst und welche Hilfsmittel euch dabei unterstützen:

Das brauchst du:

Leine & Brustgeschirr

Leckerlies

Geduld

Körperpräsenz

Abbruchsignal

Methode 1: Leinenführigkeit mit Leckerbissen trainieren

Für das Training brauchst du einen Snack, den dein Hund unwiderstehlich findet. Das können spezielle Trainings-Snacks aus dem Zoofachhandel sein, Leberwurst in der Tube oder gekochtes Hähnchenfleisch. Wichtig: Das Leckerlie muss sich klein portionieren lassen, damit du deinen Hund auch bei langen Trainingseinheiten nicht überfütterst. Außerdem muss die Belohnung für deinen Vierbeiner weiterhin attraktiv bleiben – mit vollem Magen lenken ihn Dinge am Wegesrand stärker ab. Für das Mitführen des Futters eignet sich eine Bauch- oder Gürteltasche mit Reißverschluss.

Hast du deine Tasche bestückt und deinen Hund angeleint, klappt das Training mit den folgenden Schritten:

Achtung: Nicht überfüttern!

Mit der Zeit musst du natürlich die Frequenz der Belohnungen reduzieren. Schließlich kannst du deinem Hund nicht auf jedem Spaziergang eine vollständige Tagesmahlzeit verfüttern. Versuche deshalb, die Intervalle zwischen den Belohnungen zu verlängern. Verlange deinem Hund immer längere Phasen ab, in denen er ruhig neben dir geht, bis er dafür ein Leckerli bekommt.

So soll´s sein: Hund und Halter gehen entspannt spazieren (Foto: vvvita | Adobe Stock)
So soll´s sein: Hund und Halter gehen entspannt spazieren (Foto: vvvita | Adobe Stock)

Methode 2: Hund, achte auf dein Herrchen!

Ein Nachteil der Leckerlie-Methode ist offensichtlich: Manche Hunde fixieren sich dabei voll und ganz auf die essbare Belohnung. Sie merken schnell, wenn du einmal nichts in der Tasche hast und richten ihr Interesse auf Gerüche, Menschen und Tiere abseits des Weges. Diesen Exemplaren bringst du Leinenführigkeit bei, indem du sie für deine eigenen Bewegungen sensibilisierst.

Das schaffst du so:

Diese Methode ist wirksam, weil dein Hund das Laufen an der Leine ohne Hilfsmittel lernt. Sie erfordert allerdings ein hohes Maß deiner Geduld. Um nicht zusätzlich von Passanten angestarrt zu werden, wenn du wie versteinert am anderen Ende der Leine wartest, solltest du diese Methode lieber auf dem freien Feld trainieren. Hältst du es absolut nicht aus, stillzuhalten, während dein Hund an der Leine tobt, probiere Folgendes aus:

Alternativmöglichkeit: Schneller Richtungswechsel

Hierbei musst du, wenn dein Hund das Zerrspiel an der Leine beginnt, einfach die Wegrichtung wechseln. Dreh dich einfach um und laufe in die entgegengesetzte Richtung oder biege nach rechts oder links ab. Dabei sollst du den Hund nicht gewaltsam mitreißen, sondern gibst ihm kurz vor deinem Richtungswechsel ein verbales Zeichen. Überholt er dich auch auf dem neu eingeschlagenen Weg und beginnt zu ziehen, wechselst du erneut die Richtung.

 

Fährst auf diese Weise fort, bis dein Hund eines gelernt hat: Mein Halter ist unberechenbar. Ich laufe besser neben ihm und behalte ihn genau im Blick! Gratuliere. Wenn Bello das verstanden hat, begleitet er dich ab sofort aufmerksam an lockerer Leine.

Methode 3: Autorität zeigen und blockieren

Hunde selbst haben untereinander eine klare Sprache: Wer den anderen nicht vorbeilassen will, blockiert dessen Weg mit seinem Körper und knurrt. Als Mensch kannst du sich daran orientieren, um deinem Hund abzugewöhnen, an der Leine zu ziehen:

Tipp

Wenn dein Hund per Körperblockade auf dein Abbruchsignal konditioniert ist, genügt später häufig allein das Wort ("Stopp!"), wenn er wieder einmal an der Leine zieht.

Was du niemals tun solltest, wenn dein Hund an der Leine zieht

Versuche nie, deinen Hund durch Gewalt daran zu hindern, an der Leine zu ziehen. Kniffe und Schläge sind nicht nur unnötig, sondern können auch nachhaltig das Vertrauen zerstören, dass dein Tier in dich hat. Ebenso sinnlos ist es, ständig auf den Hund einzureden. Musst du mehr als zweimal „Nein!“ sagen, ohne dass dein Hund wirklich darauf reagiert, kennt dein Hund die Bedeutung des Abbruchssignals offensichtlich nicht. Du musst es ihm, wie in Methode 3 beschrieben wird, erst einmal von Grund auf beibringen.

Tipp

Hunde reagieren sensibel auf Stimmlagen. Ein Lob solltest du daher auch in einem freudig erhobenen Ton vorbringen, während zum Abbruchsignal eine feste, entschlossene Stimme gehört.

Ihr wollt noch mehr zum Thema Leinentraining erfahren? Dann schaut euch dieses Video an.

Leinenführigkeit beim Hund – welche Probleme können noch auftauchen?

Neben den vorgestellten Methoden gibt es Einzelfälle, die in puncto Leinenführung besondere Aufmerksamkeit von dir erfordern:

Mein Hund zieht an der Leine und schnüffelt - soll ich es ihm erlauben?

Hund wollen auf Spaziergängen vor allem eines: Riechen, wer alles in der Umgebung lebt und seine Duftmarke hinterlassen hat. Das ist für deinen Vierbeiner quasi wie das tägliche Checken der sozialen Medien. Trainierst du mit ihm die Leinenführigkeit, bedeutet das nicht, ihn auf alle Ewigkeit bei Fuß laufen zu lassen. Doch für gute Lernerfolge solltest du das Laufen an deiner Seite und das Herumstromern und Schnüffeln sauber trennen. Das gelingt mit den folgenden Hilfsmitteln und Strategien:

Achtung bei der Leinenwahl

Flexi-Leinen sind als Führleinen weniger geeignet, weil sie ständig unter Spannung stehen. Auf diese Weise gewöhnt sich dein Hund daran, an der Leine zu ziehen. Flexi-Leinen solltest du daher ausschließlich im „Freilauf-Modus“ benutzen oder sie für den „Bei-Fuß-Modus“ so arretieren, dass sie locker durchhängt. Dafür sind die meisten Flexi-Leinen mit einem speziellen Knopf ausgestattet.

Fazit

Bei Welpen und unerzogenen erwachsenen Hunden kann das Leinentraining durchaus Nerven kosten. Doch das Zauberwort lautet hier: Konsequenz. Wenn ein Hundehalter zu Beginn Fehlverhalten ohne Ausnahme ignoriert bzw. ein Abbruchsignal durchsetzt, sieht man schnell die Erfolge.

FAQ - Häufige Fragen

Was soll ich tun, wenn mein Hund beim Spazierengehen in die Leine beißt?

Hier hilft kein Ignorieren - du musst ein Abbruchsignal wie "Nein!" oder "Stopp!" etablieren, um das Fehlverhalten unterbinden zu können. 

Mein Hund hört im Freilauf sehr gut - warum soll er an der Leine laufen können?

Selbst wenn du meinst, deinen Hund im Freilauf perfekt unter Kontrolle zu haben, muss er es in manchen Situationen ertragen, an der Leine zu laufen. So ist es in vielen Regionen vorgeschrieben, Hund in der Brut- und Setzzeit von Wildtieren zwischen April und Juli anzuleinen. Auch in vielen Städten herrscht eine allgemeine Leinenpflicht. Hältst du dich nicht daran, musst du dich auf Bußgelder vom Ordnungsamt gefasst machen, wenn dein Hund im Freilauf erwischt wird.

Für den Zugsport soll mein Hund zeitweise an der Leine ziehen - wie begreift er den Unterschied?

Hier hat es sich bewährt, für das Ziehen und das normale Spazierengehen zwei unterschiedliche Geschirre zu nutzen. Dein Hund kann den Unterschied durchaus begreifen und weiß, wenn er das Zuggeschirr trägt, was gefordert ist - wenn du es ihm vorab schrittweise beigebracht hast.

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