Hilfe, meine Hündin ist schwanger! Wie verläuft die Trächtigkeit beim Hund?

Hundewelpen trinken bei Mama
Geschafft - die Welpen sind gesund auf die Welt gekommen. Doch bis dahin vergehen 63 aufregende Tage der Trächtigkeit.

Hilfe, meine Hündin ist schwanger! Wie verläuft die Trächtigkeit beim Hund?

Um es vorab klarzustellen: Mehr Welpen werden in Deutschland eigentlich nicht gebraucht. In den Tierheimen warten unzählige Hunde auf ein neues Zuhause, während professionelle Züchter unter strengen Auflagen in ihrer Zucht einen Rassestandard verfolgen. Wenn Hundebesitzer ihre eigene Hündin „einfach einmal werfen lassen wollen“, vermehrt das nur das Leid der Tierheimhunde. Dennoch kann es passieren, dass die eigene Hündin ungewollt trächtig wird – in diesem Fall müssen Hundebesitzer alle nötigen Informationen zu Schwangerschaft und Geburt beim Hund haben. Was während der Trächtigkeit wichtig ist, erfahrt ihr hier:

Wann kann meine Hündin überhaupt trächtig werden?

Hündinnen sind ab dem Alter von 6 Monaten bis 2 Jahren zweimal pro Jahr empfangsbereit. Diese Phase bezeichnet man als „Läufigkeit“. Sie dauert in der Regel 3 Wochen an und beginnt damit, dass die Hündin blutigen Ausfluss verliert. Manche Hündinnen säubern sich durch Belecken selbst so intensiv, dass ihr Besitzer kaum etwas von der Veränderung mitbekommt. Andere verlieren viel Blut auf Körbchen und Sofa, was den Einsatz von speziellen Läufigkeits-Windeln nötig machen kann. Doch dass die Hündin blutet, bedeutet nicht, dass sie automatisch paarungswillig ist. Denn die Läufigkeit gliedert sich in 3 verschiedene Phasen:

Tipp

Wenn dein Hund per Körperblockade auf dein Abbruchsignal konditioniert ist, genügt später häufig allein das Wort ("Stopp!"), wenn er wieder einmal an der Leine zieht.

Wie erkenne ich, ob meine Hündin trächtig ist?

Eine Trächtigkeit in den ersten Tagen nach der Paarung zu erkennen, ist für Laien quasi unmöglich. Doch mit der Zeit ergeben sich folgende Möglichkeiten:

Zwischen dem 20. und 25 Tag können viele Tierärzte per Hormonmessung oder Ultraschall sicher erkennen, ob eine Hündin trächtig ist oder nicht. Für die Planung einer solchen Untersuchung ist es jedoch wichtig, den genauen Tag des Deckakts zu kennen.

Ab dem 30. Tag der Trächtigkeit verliert die Hündin transparent-flüssigen Ausfluss. Etwa zur selben Zeit schwellen auch ihre Zitzen an und erscheinen in einer dunkleren Farbe.

Ab dem 35. Tag der Trächtigkeit können Hundebesitzer bei ihrer Hündin eine leichte Gewichtszunahme feststellen. Eventuell zeigt sie auch einen stärkeren Appetit als vorher.

Ab dem 40. Tag der Trächtigkeit erkennen die meisten Hundebesitzer, dass sich der Bauch ihrer Hündin stärker rundet. Diese Veränderung kann bei Hündinnen, die nur wenige Welpen erwarten, sehr dezent ausfallen und lange Zeit übersehen werden.

Ab dem 50. Tag der Trächtigkeit kann der Tierarzt die Welpen per Röntgenbild exakt abbilden. Diese Untersuchung bringt kaum Risiken für Mutter und Welpen mit – ist jedoch nützlich im Hinblick auf die bevorstehende Geburt. Hier kann die Anzahl der Welpen exakt bestimmt werden und mögliche Fehlbildungen im Vorfeld erkannt. Erfahrene Tierärzte können jetzt Aussagen im Hinblick auf zu erwartende Komplikationen machen.

Wie verläuft eine Hundeschwangerschaft – wie entwickeln sich die Welpen?

1 bis 3 dunkel

Tag 1 bis 3

Etwa 2 bis 3 Tage brauchen Spermien nach dem Deckakt, die Eizellen in den Eileitern zu erreichen und sie zu befruchten. Paart sich die Hündin in dieser Zeit mit mehreren Rüden, kann der folgende Wurf mehrere Väter haben.

4 - 18

Tag 4 bis 18

Die befruchteten Eizellen wandern in die Gebärmutter, um sich dort für die weitere Entwicklung der Welpen einzunisten. Währenddessen entwickeln sie sich zu Keimbäschen (Blastocyten).

19

Tag 19

Jetzt setzen sich die Blastocyten in der Wand der Gebärmutter fest. Die Gebärmutter eines Hundes hat zwei „Hörner“, sodass sich später Welpen auf beiden Körperseiten der Mutter ertasten lassen.

21-28

Tag 21 bis 28

Bei den Embryonen bilden sich Rückenmark und Nervenstränge. Zu diesem Zeitpunkt ist es wichtig, dass die Hündin keinerlei schädlichen Einflüssen ausgesetzt wird.

25-30

Tag 26 bis 30

In einer Ultraschall-Untersuchung lässt sich ab jetzt das schlagende Herz eines jeden Welpen ausmachen.

35

Tag 35

Krallen, Barthaare und Organe sind voll entwickeln – ab jetzt haben die Embryonen das Aussehen von Hunden. Auch das Geschlecht könnte man nun theoretisch mit hochauflösenden Ultraschall-Verfahren bestimmen.

 

40

Tag 40

Im letzten Drittel der Trächtigkeit wachsen die Welpen überproportional viel. Rund 75 Prozent ihres Geburtsgewichts legen sie erst jetzt zu.

49

Tag 49

Jetzt ist die Calcifizierung der Knochen abgeschlossen – die Skelette der Welpen sind auf einem Röntgenbild sichtbar.

56

Tag 56

Ab jetzt beginnen die Haare am Bauch der Mutter auszufallen und sie beschäftigt sich damit, ein geeignetes Nest für ihren Wurf zu finden.

 

58-63

Tag 58 bis 63

Zwischen dem 58. Und 63. Tag nach dem Deckakt werden die Welpen in der Regel geboren.

Tipp

Falls du den genauen Tag des Deckakts kennst, ist es ratsam einen Trächtigkeitskalender zu führen, in dem du alle Änderungen vermerkst und sie mit dem Idealverlauf einer Trächtigkeit vergleichen kannst.

Worauf sollte ich als Hundehalter während der Trächtigkeit achten?

Viele Hündinnen kennen ihre Bedürfnisse selbst sehr genau – dennoch solltest du eine schwangere Hündin durch die folgenden Maßnahmen unterstützen:

Wie verläuft die Hundegeburt?

Zwischen dem 58. Und 63. Tag der Trächtigkeit setzt die Geburt bei der Hündin ein. Sie teilt sich in 2 Hauptphasen: die Eröffungsphase und die Austreibungsphase:

 

Die Eröffnungsphase

Professionelle Züchter messen jeden Tag der Trächtigkeit die Körpertemperatur ihrer Hündin rektal. Dies sollte jeden Tag zur selben Uhrzeit oder sogar zwei bis dreimal am Tag geschehen. Bei den meisten Hündinnen liegt die Temperatur dabei konstant um 38 Grad. Etwa 24 bis 12 Stunden vor der einsetzenden Geburt sinkt die Körpertemperatur schlagartig um 1 Grad ab und steigt dann bis zur Geburt wieder an. Für erfahrene Züchter ist dieser Temperaturknick ein sicheres Zeichen für die einsetzende Eröffnungsphase.

Etwa 12 Stunden vor der Geburt verweigert die Hündin das Futter und wird zunehmend unruhiger. Sie scharrt in der Wurfkiste und sucht sich eventuell spontan einen neuen Platz zum Werfen. Daran solltest du sie jetzt nicht hindern.

 

Der Schleimpfropf, der die Gebärmutter verschließt, verflüssigt sich und wird als Ausfluss ausgeschieden. Das Gesäuge sondert erste Milchtropfen ab.

Die Austreibungsphase

Wenn die Fruchtblase des ersten Welpen in den Geburtskanal eintritt beginnen die Presswehen. Die Hündin sitzt oder liegt und krümmt den Körper. Durch Pressen ist bald die Fruchtblase des ersten Welpen sichtbar und er wird binnen wenigen Minuten vollständig geboren.

Wenn die Eihülle, in der sich der Welpe befindet, nicht während des Geburtsvorganges reißt, öffnet die Hündin sie durch Lecken und Knabbern. Im Idealfall hilft der Hundebesitzer der Hündin, die Fruchtblase schnell vom Welpen abzustreifen und nabelt den Welpen selbst ab. Dazu bindet man die Nabelschnur mit einem Bindfaden etwa 1 bis 2 cm vom Bauchnabel des Welpen entfernt ab und durchtrennt sie dahinter mit einer sauberen Schere. Anschließend sollte man die Mutter den Welpen ausgiebig ablecken und säubern lassen, um seinen Kreislauf und die Atmung anzuregen. Ein frisch geborener Welpe sucht instinktiv sofort das Gesäuge der Mutter, um die erste Milch (das Kolostrum) aufzunehmen, die wichtige Inhaltsstoffe für Immunabwehr und Wachstum besitzt.

Etwa 15 bis 30 Minuten nach dem Welpen verlässt auch seine Plazenta den Geburtskanal. Die Hündin frisst die Nachgeburt instinktiv und sollte auch nicht daran gehindert werden. Denn das enthaltene Hormon Oxytocin ist entscheidend für die gute Milchbildung.

Nach der Geburt des ersten Welpen folgen seine Geschwister. Sie können entweder im Minutentakt kommen oder aber mit Abständen von bis zu 2 Stunden. Längere Pausen während der Geburt können vorkommen – allerdings sollte der Halter den Allgemeinzustand der Hündin im Auge behalten und bei Anzeichen von Wehenschwäche oder Erschöpfung den Tierarzt kontaktieren.

Hundewelpen kommen blind und taub auf die Welt. Mit ihrem guten Geruchssinn finden sie dennoch sofort die Milchquelle bei ihrer Mutter
Hundewelpen kommen blind und taub auf die Welt. Mit ihrem guten Geruchssinn finden sie dennoch sofort die Milchquelle bei ihrer Mutter

Welche Probleme können während der Geburt auftreten?

Gesunde Hündinnen bringen in den meisten Fällen ihre Welpen selbstständig und ohne Hilfe zur Welt. Allerdings können in Extremfällen lebensbedrohliche Komplikationen auftreten.

Achtung: Nicht überfüttern!

Mit der Zeit musst du natürlich die Frequenz der Belohnungen reduzieren. Schließlich kannst du deinem Hund nicht auf jedem Spaziergang eine vollständige Tagesmahlzeit verfüttern. Versuche deshalb, die Intervalle zwischen den Belohnungen zu verlängern. Verlange deinem Hund immer längere Phasen ab, in denen er ruhig neben dir geht, bis er dafür ein Leckerli bekommt.

Fazit

Für Hundehalter ist die Geburt von Welpen häufig ein unvergessliches Erlebnis. Dennoch sollten alle Hundefreund im Bewusstsein haben, dass hierzulande etliche Tierheimhunde auf die Vermittlung in ein neues Zuhause warten und ein hobbymäßiges Produzieren von Welpen der Liebe zu Hunden und den Grundsätzen des Tierschutzes eigentlich widerspricht.

FAQ - Häufige Fragen

Was soll ich tun, wenn die Hündin sich einen unmöglichen Platz zum Werfen aussucht?

Falls deine Hündin sich auf den letzten Drücker in den Kopf gesetzt hat, in deinem Kleiderschrank zu werfen, dann lass die gewähren. Im Moment der Geburt weiß sie selbst, wo sie sich am besten entspannen kann. Nach der Geburt kannst du Mutter und Welpen durchaus in eine Wurfkiste umsiedeln – schließlich bleibt die Mutter immer bei ihrem Nachwuchs. Achte dabei sensibel auf ihre Bedürfnisse. Vielleicht hat sie einen anderen Ort gewählt, weil er weniger einsichtig ist als ihre Wurfkiste? In diesem Fall solltest du ihr zusätzlichen Schutz durch ein „Dach“ über der Wurfkiste bieten oder sie in einen geschützteren Winkel der Wohnung positionieren.

Wie muss ich mich nach der Geburt um die Welpen kümmern?

Die Welpen selbst abzunabeln, hat den Vorteil, dass die Hündin die Nabelschnur nicht zu kurz abbeißt und sich eventuell eine Infektion am Bauchnabel bildet. Eine Nabelschnur, die ein bis 2 Zentimeter lang bleibt, vertrocknet kurz nach der Geburt und ermöglicht dem Nabel ein gutes Abheilen. Ansonsten übernimmt die Mutter nach der Geburt die volle Pflege der Welpen, indem sie sie säugt und durch Bauchmassagen ihre Verdauung anregt. Du solltest die Welpen nach der Geburt wiegen und dann täglich eine Tabelle über ihre Gewichtszunahme führen.

Meine Hündin zeigt Anzeichen einer Trächtigkeit, obwohl sie nicht gedeckt wurde

Hier solltest du dir ganz sicher sein: Hattest du die Hündin während ihrer Läufigkeit permanent unter deiner Aufsicht? Wenn ja, handelt es sich um eine Scheinträchtigkeit. Sie kann exakt so verlaufen wie eine normale Hundeschwangerschaft, bis zu dem Moment, in dem sich die Hündin an Tag 63 ein Wurfnest baut. Falls deine Hündin jedoch regelmäßig nach jeder Läufigkeit scheinträchtig wird, solltest du mit dem Tierarzt abklären, ob ein Hormonproblem vorliegt.

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